Ohne Nebenwirkungen #25 - Suchtmittel unter der Lupe
Shownotes
Die Steiermark hat, wie der Rest von Österreich, ein Drogenproblem. "Wir ersticken förmlich in reinem Kokain", sagt Drogenanalytiker Martin Schmid. Der Professor für pharmazeutische Chemie spricht gemeinsam mit Apothekerin Alexandra Mandl und Pharmaziestudentin Jelena Knapp darüber, was so alles im Umlauf ist, wie gefährlich die einzelnen Substanzen sind, warum Drug-Checking so wichtig ist und wie Substitutionstherapien genau aussehen.
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Antenne Steiermark - Meine Hits. Meine Steiermark.
Transkript anzeigen
00:00:00: Rund achtzehn Prozent der Schülerinnen und Schüler in der Steiermark geben an, zumindest einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert zu haben.
00:00:07: Bis zu drei tausend sechshundert Personen in der Steiermark, so schätzt man, betreiben einen risikoreichen Drogenkonsum unter Beteiligung von Opioiden.
00:00:16: Das sind die Zahlen aus dem aktuellen Suchtbericht des Gesundheitsfonds Steiermark.
00:00:21: In dieser Podcastfolge möchten wir das Thema Suchtmittel genauer beleuchten, ihre Wirkungen, ihre Risiken und die wichtige Rolle von Prävention, von pharmazeutischer Expertise.
00:00:30: Ohne Nebenwirkungen, der steirische Apotheken-Podcast auf Antenne Steiermark.
00:00:36: Ich bin Roland Schmidt, darf heute drei Gäste begrüßen.
00:00:38: Alexandra Mandl von der steirischen Apothekerkammer.
00:00:41: Hallo Roland, schön, dass ich wieder mal bei dir sein darf.
00:00:44: Freut mich auch.
00:00:45: Dann nicht mit mir verwandt Martin Schmidt, Professor für pharmazeutische Chemie und im Nebenberuf Drogenanalytiker.
00:00:52: Hallo, danke für die Einladung.
00:00:54: Danke fürs Kommen.
00:00:55: Und Pharmaziestudentin Jelena Knapp.
00:00:57: Hallo.
00:00:58: Hallo, es freut mich sehr, dass ich heute da sein darf.
00:01:00: Mich auch.
00:01:01: Alexandra, fangen wir mit dir an.
00:01:02: Im Englischen bezeichnet man sowohl Suchtmittel als auch Arzneimittel als Drugs.
00:01:08: Was ist aber der genaue Unterschied?
00:01:09: Grundsätzlich ist es eigentlich so, dass auch die meisten Suchtmittel eigentlich als Neimittel entwickelt worden sind.
00:01:17: Aber es ist einfach dann eine Frage der Herstellung und wie die Sachen auf den Markt gebracht werden.
00:01:23: Da gibt es dann doch einen großen Unterschied.
00:01:25: Als Neimittel bekommt man in Österreich eigentlich nur in der Apotheke und Suchtmittel bekommt man eher ... was sie eigentlich nicht wo.
00:01:35: Unter der Decke.
00:01:36: Unter der Decke möglicherweise.
00:01:39: Wobei es natürlich auch so ist, dass einige Substanzen, die wir in der Apotheke verkaufen, schon eine Suchtkomponente haben und deswegen dann auch illegale Suchtmittel gehandelt werden.
00:01:51: Also die Grenze ist hier verschwimmend und das glaube ich liegt eher im rechtlichen Bereich, was dann was ist.
00:01:59: Und die Risiken solcher Substanzen sichtbar zu machen, gibt es sogenannte Drug-Check-In-Angebote wie Trip Talk.
00:02:06: Was ist das genau Martin?
00:02:07: Das ist ein langer Senderwunsch, der endlich in Erfüllung gegangen ist.
00:02:11: Das ist eine Anlaufstelle, eine niederschwellige sozusagen, bei der es möglich ist, dass man anonym und völlig unverbindlich und kostenfrei eine Messerspitze voller Substanz, bei der man nicht weiß, was es ist, die vorbeibringt und dann wird das an der Universität ganz genau untersucht und dem oder derjenigen wird dann bekannt gegeben, was ist das, wolltest du das überhaupt und willst du das jetzt noch konsumieren?
00:02:36: Wie
00:02:36: viele nehmen das in Anspruch?
00:02:39: Auf freulicher Weise.
00:02:40: Es gibt uns jetzt seit Jahrzehnte und zweiundzwanzig und wir können jetzt auf ungefähr tausend Substanztestungen im Jahr zurückblicken.
00:02:49: Ich glaube, das ist schon eine ziemlich gute Zahl.
00:02:51: Allerdings, warum ist Drug-Checking aus deiner Sicht so notwendig?
00:02:55: Es ist deshalb notwendig, weil die Qualitätssicherung fehlt.
00:02:59: Es ist unmöglich, wenn man etwas auf der Straße kauft oder nebenbei übrigens auch sehr häufig im Internet einfach zugeschickt bekommt per Post.
00:03:08: Es ist unmöglich zu wissen, was hat man denn da bekommen.
00:03:12: Ist es das, was man wollte?
00:03:13: Ist es was völlig anderes?
00:03:15: Ist es sogar gefährlich?
00:03:17: Es gibt keine Qualitätssicherung und das ersetzen wir.
00:03:20: Die Leute können zu uns kommen, können das testen lassen und dann sagen wir ihnen mit Beratung von Caritas Kontaktladen, der da auch eine sehr wichtige Rolle spielt und der die Substanzen entgegennimmt und dann zum Schluss auch berät.
00:03:35: Die machen das und die beraten.
00:03:37: Das ist eben einer der wichtigen Unterschiede zwischen Arzneimittel und Suchtmittel, weil wenn ich in einer Apotheke ein Arzneimittel kaufe, dann kann ich mich darauf verlassen, dass das getestet worden ist, dass das geprüft worden ist in zahlreichen klinischen Studien.
00:03:51: Da weiß ich, wie es wirkt, da weiß ich auch, was eventuell die Nebenwirkungen sein können.
00:03:56: Vor allen Dingen weiß man aber auch über die Dosierung Bescheid und ich kann mich darauf verlassen, wenn ein Arzneimittel im Handel ist, dass dann die Dosierung genau stimmt und das dann von der Substanz drinnen ist.
00:04:09: Und das ist bei Suchtmitteln eben das Problem, dass es Sachen gibt, die schauen ganz gleich aus, sind aber etwas Vollkommen anderes und können total gefährlich oder sogar tödlich sein.
00:04:21: Da hören wir dann eh noch mehr darüber.
00:04:23: Martin, wie werden beim Drug Checking eigentlich Proben genau abgegeben und wie läuft da so eine Analyse ab?
00:04:29: Das funktioniert so, dass jeden Montag, also es ist ein Feiertag, man die Möglichkeit hat, von sechszehn bis neunzehn Uhr in der Orpheumgasse acht vorbeizukommen.
00:04:40: Das ist die Drogenanlaufstelle, so genanntes Trip Talks, eben der Caritas.
00:04:45: Das ist, wie gesagt, völlig anonym, man kann dort vorbeikommen, kann eine Substanzprobe dort hinterlegen, die wird also gemeinsam dort einfach abgenommen und entgegengenommen und die gesammelten Substanzproben kommen dann am Dienstag an die Universität.
00:05:03: Dort werden sie untersucht und bis Donnerstag spätestens Freitag muss dann das Ergebnis fertig sein, weil ab Freitag wird dann beraten und eben Rückmeldung gegeben.
00:05:14: Vielleicht noch einmal zum Verständnis.
00:05:16: Wer genau sind jetzt die Personen, die zu euch kommen, um diese Proben abzugeben?
00:05:21: Das sind Konsumentinnen und Konsumenten von Suchtmitteln.
00:05:26: Ganz egal, ob das jemand ist, der, wenn ich so sagen darf, aussieht wie du und ich, den man es gar nicht ansehen würde, wenn ich einmal so sagen darf, bis hin zu sehr stark schon abhängigen, möglicherweise opioid beeinträchtigten Personen, die eben... trotzdem noch das Wissen wollen, was sie denn da einnehmen.
00:05:47: Okay.
00:05:48: Welche Probleme werden dann beim Drug-Checking sichtbar?
00:05:51: Eigentlich eine Menge.
00:05:52: Es ist immer wieder erstaunlich, wie oft eine sogenannte Falsch-Deklaration ausgesprochen werden muss.
00:05:59: Das bedeutet einfach Achtung, dass was du gedacht hast, dass es ist.
00:06:05: ist es in Wirklichkeit nicht.
00:06:06: Das ist eine andere Substanz.
00:06:08: Und natürlich kann man nichts verbieten.
00:06:11: Es obliegt dann dem oder derjenigen zu entscheiden, ob man das einnimmt und konsumiert oder nicht.
00:06:17: Aber ich habe gehört, erfreulicherweise passiert es doch.
00:06:21: relativ gelegentlich zumindest, dass der oder diejenige dann sagt, ja Hoppler, das wollte ich ja gar nicht, das habe ich jetzt nicht kaufen wollen, das wandert ins Grow, das werfe ich weg, das konsumiere ich nicht.
00:06:32: und ich finde allein das ist schon ein großer Erfolg an diesem Projekt.
00:06:37: Grundsätzlich sind ja illegale Substanzen klarerweise verboten in Österreich.
00:06:42: Warum bewegt ihr euch da trotzdem in einem legalen Rahmen, wenn ihr das macht?
00:06:47: Das ist eine sehr gute Frage.
00:06:48: Es gibt ja auch andere Drug-Check-In-Stationen in Österreich.
00:06:53: Ich darf da das schon lange existierende Check-Your-Drucks in Wien, die ZX Drogenarbeit in Innsbruck erwähnen.
00:07:00: Dann kamen wir als Dritte.
00:07:02: Inzwischen gibt es sogar schon in Prägens und in Klagenfurt eine Möglichkeit, Substanzen zu Testung abzugeben.
00:07:08: und um auf deine Frage zu antworten, es ist so, dass das eben schon vor uns wirklich ausjudiziert wurde und man das entgegennehmen darf.
00:07:19: Also das ist mit dem Suchtmittelgesetz sozusagen konform gesetzt und ich darf auch dazu berichten, dass bevor das alles bei uns in Katz gestartet hat, dass es einen runden Tisch gegeben hat, auch mit den Behörden.
00:07:32: dass also sozusagen alle mehr oder weniger der Core sind und einverstanden sind, dass das dann in Graz anläuft und dass dieses Track Checking auch durchgeführt wird.
00:07:42: Das heißt, die Grundidee dahinter ist... Man nimmt Scheider, was illegales ein, dass einen jetzt nicht extrem schadet, als man weiß gar nicht, was dort drin ist.
00:07:51: Ja, ich habe auch selber dazu lernen müssen, weil ich ja sozusagen aus dem Metier kaum etwas weiß.
00:07:57: Aber ich habe schon gehört, es hat überhaupt keinen Sinn, Leuten etwas zu verbieten.
00:08:02: Die verstört man höchstens und man kann also eigentlich nur mit dem Argument arbeiten.
00:08:08: Leidl, das ist wirklich gefährlich.
00:08:10: Bitte lasst die Finger davon.
00:08:12: Ich kann es euch nicht verbieten.
00:08:15: Das sogenannte Monats-Warn-Platt ist ein Informationsplatz, das regelmäßig vor gefährlichen oder neuen Substanzen im Drogen- und Rauschmittelbereich informiert.
00:08:24: Jelena, was sind hier die aktuellen Warnungen und Beobachtungen?
00:08:28: Also wir schauen sich heute das Warenblatt vom Dezember an, das sind unter anderem dreizehn Kokainproben abgegeben worden, wo man ein Streckmittel drinnen gefunden hat.
00:08:40: Also es waren zwei Proben mit Phenazidin gestreckt.
00:08:44: Das ist eigentlich ein Arzneimittel, auf das werden wir später noch.
00:08:48: Eingegen genauer, außerdem wurden sechs Amphetaminproben abgegeben, wobei es auch unter anderen Fallstecklerationen gegeben hat, wo zum Beispiel Stadt Amphetamin dann MDMA drinnen war und die natürlich zum Teil auch wieder mit Streckmittel versetzt worden sind.
00:09:08: Und außerdem sind nur zwei MDMA-Pillen abgegeben worden, wo auch die Warnung dann rausgekommen ist, dass die einen sehr hohen Wirkstoff gehalten haben.
00:09:19: Das heißt, dass da dann besondere Vorsicht gegeben ist.
00:09:22: Wo werden diese Warnungen dann ausgegeben?
00:09:24: Die werden eben unter triptox.de, findet man die ganz einfach.
00:09:30: Also man über die Karitas läuft das Ganze, aber wenn man eben ... Internet eingebt, Trip Talks und dann kommt man zur Linkung, kann sich das PDF runterladen.
00:09:42: In vielen westlichen Gesellschaften gilt Kokain als Elite-Droge, die vor allem in bestimmten Arbeits- und Partikulturen verbreitet ist, sie somit auch ein Status-Symbol.
00:09:52: Im Gegensatz zu anderen Drogen wird Kokain oft weniger stigmatisiert, obwohl es genauso schädlich ist und abhängig machen kann.
00:09:58: Martin, warum ist eine hohe Reinheit von Kokain so gefährlich?
00:10:02: Also das Kokain hat sich wirklich zu einem starken Problem entwickelt.
00:10:07: Wir sprechen ja heute nicht über Cannabis, deshalb nicht, weil das von Triptox nicht untersucht wird, weil es ja keine synthetische oder halbsynthetische Droge ist.
00:10:16: Und wer wird da wahrscheinlich mit den Untersuchungen auch nicht fertig werden würden?
00:10:20: Kokain hat sich ganz klar als die Nummer zwei hinter dem Cannabis etabliert.
00:10:26: Ich weiß, dass es im ländlichen Bereich auch, wo es sonst immer Cannabis gab, es auch inzwischen leider schon fast flächendeckend Kokain zu kaufen gibt.
00:10:36: Der Rest wird durch den Internethandel durchgeführt.
00:10:40: Und wenn du jetzt zur Gefährlichkeit darüber zu sprechen kommen möchtest, es war früh.
00:10:46: so, als ich begonnen habe zu analysieren vor etwa fünfzehn Jahren, dass die Reinheit von Kokain sehr schlecht war, also vielleicht fünfzig, vierzig Prozent, sehr viele Streckstoffe eben dadurch dabei waren und man gesagt hat, ja Kokain ist teuer, es tut mir leid, wenn du das unbedingt haben willst, das musst du dir eben leisten.
00:11:06: und das hat sich total geändert.
00:11:08: Wir haben ein eklatantes Überangebot in Österreich, in Europa, wir wirklich ersticken förmlich in rein am Kokain und das macht sich dann natürlich auch bis hin zum Straßenkauf bemerkbar.
00:11:22: Was ist jetzt das Problem?
00:11:23: Ich kann es bis heute nicht genau sagen, was jetzt das größere Problem ist.
00:11:27: Einerseits sind natürlich Streckstoffe, die auch pharmazeutisch wirken und dem Kokain beigemenkt sind.
00:11:33: Ein Problem, aber wenn Kokain fast rein geschnupft wird, ist das ebenso ein Problem.
00:11:40: Das geht wahnsinnig auf das Herz.
00:11:42: Und man bemerkt schon, eine höhere Mortalitätsrate oder vermeint das einzigartige Allein dadurch, weil der Reinheitsgehalt des Kokain so gestiegen ist in letzter Zeit.
00:11:53: Du
00:11:53: hast jetzt von Österreich und Europa gesprochen.
00:11:55: Ich gehe davon aus, dass es dieses Problem auch in der Steinmark gibt.
00:11:58: Ja, ganz eklatant.
00:12:01: Und ist da mehr die Landeshauptstadt davon betroffen oder wie du vorher schon erwähnt hast, den ländlichen Raum, also gibt es auch in der Steinmark im ländlichen Raum dieses breite Angebot an Kokain?
00:12:11: Ja, leider eben schon.
00:12:12: Und zwar hat sich auch der Handel sozusagen hier geändert.
00:12:16: Während man vor zehn, fünfzehn Jahren noch vorwiegend darauf angewiesen war, in einem Park einen Dealer anzusprechen, um etwas kaufen zu können, hat sich das Grundlegend verändert.
00:12:28: Heutzutage bringt die Post diese Sendungen, die ja nicht alle einfach durchgehend kontrolliert werden können.
00:12:35: Das ist unmöglich.
00:12:36: Kommt in die Haushalte und man bestellt sich so.
00:12:40: zu sagen, über Starknet wohl meistens sein Kokain mit der Post.
00:12:45: Pharmazeutische Streckmittel bei Kokain sind Arzneistoffe oder Arzneiehnliche Substanzen, die dem Kokain absichtlich beigemischt werden, um den Gewinn zu steigern oder die Wirkung zu imitieren bzw.
00:12:56: zu verändern.
00:12:57: Was ist hier problematisch, Alexandra?
00:12:59: Ja, also ich habe jetzt gesehen, dass hier bei dem letzten Trip Tok gewarnt wurde von Paracetamol und Phenacidin.
00:13:07: Fenercedin ist ein sehr altes Schmerzmittel, das ist in Österreich schon seit den Siebzigerjahren verboten, weil es ganz starke Nierenschädigungen gemacht hat und da die Ursache war, dass es ganz viele Nierentransplantierte gab, die das Fenercedin als Schmerzmittel eingenommen haben.
00:13:26: Das heißt also, wenn ich das laufend konsumiere, dann habe ich zusätzlich zu den negativen Auswirkungen von Kokain wahrscheinlich auch noch Nierenprobleme.
00:13:35: Die zweite Substanz, die auch als Streckmittel eingesetzt wurde, die hier genannt wird, ist Paracetamol.
00:13:43: Paracetamol ist auch nun für sich ein klassisches Schmerzmittel, das wirst du wahrscheinlich auch kennen, also das ist jetzt auch noch im Handel, das ist gegen Kopfschmerzen, aber auch ein Fiebermittel in Fiebersepten oder Fieberzepfchen auch für kleine Kinder, ist grundsätzlich nicht problematisch, solange man sich da im angegebenen Dosisbereich befindet.
00:14:04: hat aber eine relativ geringe therapeutische Breite und kann dann, wenn es höher dosiert, sehr böse für die Leber sein.
00:14:12: Jetzt weiß ich, Paracetamol Tabletten soll ich nicht mehr als viertäglich einnehmen, aber wenn ich nicht weiß, wieviel Paracetamol ich hier schnupfe, dann bin ich da gleich einmal in dem toxischen Bereich drin.
00:14:24: Und ein ganz großes Problem ist vor allen Dingen die Kombination Paracetamol und Alkohol, also wenn da sehr viel dazu getrunken wird.
00:14:34: hochprozentige Sachen, dann kannst du ja schon einmal zu einem Leberversagen kommen.
00:14:40: Aber man hört ja bei den Streckmitteln überhaupt, dass da ganz böse Substanzen dabei sind.
00:14:45: Also mir ist da immer wieder bekannt, dass da so giftige Sachen auch durch Nien eingesetzt werden.
00:14:51: Was du da?
00:14:52: Dazu kann ich folgendes sagen, das muss ich abdohnen.
00:14:55: Also ich mache Suchtmittelanalytik seit fünfzehn Jahren und ich habe noch nie eine Strichnienprobe gesehen.
00:15:00: Wenn man dann nachdenkt, dann kommt man vielleicht auch drauf, das wäre doch unsinnig.
00:15:05: Ich als Drogenverkäufer, als Dealer, möchte ja nicht meine Konsumenten umbringen oder wirklich so schädigen, dass sie nicht mehr zurückkommen können, um wieder was zu kaufen.
00:15:15: Also richtige Gifte habe ich da nicht feststellen können, aber eben, wie die Alex schon gemeint hat, verschiedenste Arzneistoffe, die auch dann in Kombination... Ungut sind.
00:15:27: Beim Kokain darf ich vielleicht noch ergänzen, dass sehr oft örtliche Betäubungsmittel zugemischt werden.
00:15:34: Zum Beispiel Lidokainhydrocarite oder ein Prokain.
00:15:39: Warum macht man das?
00:15:40: Es gibt zwei Möglichkeiten, das zu verstehen.
00:15:43: Entweder man weiß ja, dass Kokain auch betäubend wirkt auf die Nase.
00:15:48: Das hat man vielleicht schon einmal in irgendwelchen Filmen mitbekommen.
00:15:52: Man schützt sozusagen eine hohe Reinheit vor, indem man andere örtliche Betäubungsmittel dazu mischt.
00:15:57: Ein anderer Zugang wäre, dass diese Leute ja oft Probleme mit der Nasenscheidewand dann schon bekommen.
00:16:03: Das muss entsetzlich schmerzen, dieses ewige Schnupfen bis hin zur Perforation der Nasenscheidewand.
00:16:10: und um vielleicht da etwas den Schmerz zu senken, dass man deshalb absichtlich diese örtlichen Betäubungsmittel noch hinzufügt.
00:16:18: Ja,
00:16:18: Wahnsinn.
00:16:19: Wenn wir uns das Kokain historisch jetzt anschauen, wo kommt das überhaupt her?
00:16:25: spannend, weil das schon Jahrtausende alt ist quasi und am pflanzlichen Ursprung hat, gegensatz zu vielen modernen Designertrogen sozusagen.
00:16:35: Also es wird wirklich aus Blättern vom Kokerstrauch extrahiert.
00:16:40: Dieser Kokerstrauch ist heimisch in Südamerika vor allem und dort werden Kokablätter jetzt quasi ganz normal konsumiert.
00:16:49: Ich war selbst in Peru für einige Monate und hab dort Koka-Dee getrunken.
00:16:54: Da muss man auch ganz klar unterscheiden, dass es jetzt nicht ihre Kokain drinnen, aber trotzdem ein leicht anregender Wirkung.
00:17:01: Und was auch generell bei Drogen und jetzt auch, weil wir vorher schon gesprochen haben im Vergleich zu Arzneimittel, einen großen Unterschied macht, ist die Applikationsform, die Aufnahmen.
00:17:12: Das heißt, Koks wird meistens geschnupft.
00:17:15: Und wenn man jetzt aber Koks oral zu sich nimmt, hat das Von vornherein schon mehr viel geringere Wirkung, zum Beispiel eben die indigene Bevölkerung in Südamerika, die zum Beispiel auch die Coca-Blätter-Corn in Kombination mit Kalk.
00:17:30: Dadurch werden es die Alkaluide gelöst.
00:17:33: Das Kokain wird gelöst und Erklärung ist aber, dass der Kalk das Kokain umwandelt in Ekoknien.
00:17:40: Und das Ekoknien hat auch viel geringere Suchpotenzial aus Kokain.
00:17:44: Das heißt, die einheimische Bevölkerung dort ist jetzt nicht komplett süchtig nach Koks die ganze Zeit, sondern dort einfach die anregende Wirkung von Ekoknien nutzen.
00:17:56: und warum man auch im Tee trinkt, im Perufe eines wegen der hohen Höhenlage und das gegen Höhenkrankheit hilft und da zum Beispiel Kopfschmerzen, die aufgrund von der Höhenlage zustande kommen, minimiert.
00:18:10: Und was vielleicht auch noch sehr spannend ist, ist, dass bis six in der Rezeptur von Coca Cola tatsächlich Kokain enthalten war, nämlich zweieinfünfzig Milligramm Kokain pro Liter Cola.
00:18:25: Und das ist eben nach sechs natürlich verboten worden, wo man sich der Wirkung besser bewusst war.
00:18:31: Okay.
00:18:33: Jelena, was kannst du uns über Ketamin sagen?
00:18:37: Ketamin ist auch ursprünglich als Arzneimittel auf den Markt gekommen, nämlich in den Jahr neunzehntzig, und wurde vor allem als Betäubungsmittel eingesetzt.
00:18:47: Ketamin wird er heute nur verwendet, sehr viel in der Veterinärmedizin, aber auch bei Menschen z.B.
00:18:53: zur Narkoseanleitung.
00:18:55: Außerdem ist Ketamin tatsächlich auf der WHO-Liste der unempährlichen Arzneimittel.
00:19:01: Und das ist deswegen, weil es ein sehr hohes analgetisches Potenzial hat.
00:19:06: Das heißt, Schmerzer sehr gut senken kann und auch sehr schnell.
00:19:09: Und deswegen wird es vor allem in Krisengebieten oder auch vom Militär eingesetzt und ist quasi immer dabei als Notfallsmedikament.
00:19:18: Als Koseinleitung ist es schon immer zugelassen quasi, aber seit Jahrzehnten ist es auch zur Behandlung von Depressionen zugelassen.
00:19:27: und da vor allem gegen terapieresistente Depressionen, das heißt, wo schon sehr viele andere antidepressiver probiert worden sind, aber die keine Wirkung gezeigt haben, darf man eben seit Jahrzehnten auch Ketamin verschreiben und einnehmen.
00:19:41: Okay, also wie du gesagt hast, in der klinischen Anwendung ist Ketamine ein wichtiges Werkzeug.
00:19:45: Im Szenen gebrauche ich doch ein Risiko.
00:19:47: Wo liegen hier die Unterschiede?
00:19:49: Ketamin ist tatsächlich ein Stoff, der genauso häufig, würde ich jetzt sagen, im Notarztwagen mitfährt und tatsächlich also eben als Neimittel verwendet wird als eben in der Szene.
00:20:03: Wir beobachten in Graz und generell in der Steiermark ein erhöhtes Aufkommen in den letzten Monaten an Ketamin.
00:20:10: Das scheint also sich ein bisschen zu einer Modetroge zu entbuppen.
00:20:14: Man hat die Wirkung so beschrieben, dass man aus dem eigenen Körper heraussteigt, sich selber irgendwie betrachten kann.
00:20:23: Das große Problem dabei ist, dass man völlig schmerzunempfindlich ist.
00:20:27: Also es sollte immer eine Person dabei sein, die nichts genommen hat und die dann die Person davor bewahrt, sich eventuell selbst zu verletzen, weil man würde ja den Schmerz nicht spüren.
00:20:38: Und es geht bis hin zu Nahtoderfahrungen verbunden allerdings mit sehr unangenehmen Nebenwirkungen wie zum Beispiel Blasenschäden.
00:20:47: Also das ist noch gar nicht so bekannt, wird aber über Triptox in den Substanzwarnungen auch immer wieder darauf hingewiesen, dass man da einfach vorsichtig sein soll, weil es ernstere Probleme mit der Blase zum Beispiel geben kann.
00:21:03: Warum kann es hier zu Langzeitschäden wie im Blasenschäden kommen und welche wären das noch Alexandra?
00:21:08: Ich
00:21:09: muss ganz ehrlich sagen, da bin ich jetzt nicht firm, warum hier wirklich Blasenschäden auftreten können, aber anscheinend kommt es dadurch zu einer chronischen Reizung und auch zu einer Entzündung in der Blase und das äußert sich dann zunächst mit einem häufigen Haantragen, Schmerzen, wenn man auf die Toilette geht.
00:21:27: Man muss dann auch in der Nacht öfter auf die Toilette, also man muss sich das so vorstellen, wie bei älteren Menschen offenbar die Inkontinent werden.
00:21:34: Weil die Plasenspannung, also der Plasentonus, danach lässt.
00:21:38: Vor allen Dingen, wenn man da einen gewissen Grenzwert überschritten hat, dann hat man so einen Kipppunkt, dann ist das irreversibel.
00:21:46: Also dann ist das auch nicht mehr behebbar, wenn man mit dem Ketaminkonsum aufhört.
00:21:51: Deswegen sollte man also früh anzeichen, die dann so... wie in Richtung, ich habe jetzt so einen Hadenwegsinfekt, als regelmäßiger Ketamin-Konsument schon berücksichtigen und dann erstens mit dem Konsum möglichst schnell aufhören und zweitens auch einen Arzt aufsuchen und dann aber auch sagen, was die Ursache ist.
00:22:11: Medizinisch eingesetztes Ketamin, wie die Jelena das vorher gesagt hat, wird ja als Nasenspray angewendet.
00:22:18: Und das wird auch nur oft tageweise stationär eingesetzt, weil man festgestellt hat, das hat so eine potente antidepressive Wirkung, dass das schon noch drei bis fünf Tagen hilft, dass die Leute da wirklich aus ihrem Tief herauskommen und dass man dann mit einer anderen Therapie fortsetzen kann.
00:22:35: Deswegen ist das eben im medizinischen Bereich, wenn es da eingesetzt wird, bei Weitem nicht so gefühlt.
00:22:40: gefährlich, wenn ich das Frühkommen unkontrolliert am Wochenende dann immer für mein Heil nehme.
00:22:46: Das
00:22:46: ist auch genau der Unterschied zu den anderen Antidepressiven, die erst zum Teil nach zwei oder vier Wochen erst.
00:22:52: einen Wirk eintritt haben.
00:22:54: und eben dadurch ist Ketamin da sehr hilfreich, weil es einen sofortigen Wirk eintritt hat und man erst vier Wochen warten muss.
00:23:01: und für depressive Menschen ist das schon von vornherein sehr schwierig, dass man da Compliance heißt, dass dann das Medikament wirklich knummer wird, wenn man erst nach vier Wochen die Wirkung davon spürt.
00:23:11: Darf ich dazu noch eine Bemerkung machen, bitte, die mir sehr am Herzen liegt?
00:23:15: Dieses Ketamin ist offensichtlich, wie man gehört hat, ein Arzneistoff.
00:23:19: Er unterliegt dem neuen psychiativen Substanzengesetz, ist eigentlich nicht ein Suchtgift eingeordnet.
00:23:26: Ich weiß gar nicht, ob ich das da sagen soll, aber es ist einfach so.
00:23:29: Ich sage es deshalb, weil wir gerade gehört haben, dass es nicht heißt, wenn etwas jetzt kein Suchtgift ist nach dem Gesetz, dass das völlig ohne Nebenwirkungen und ganz angenehm und nebenwirkungsfrei eben zu konsumieren ist.
00:23:44: Gerade bei diesem Ketamin ist noch viel im Unklaren und ich möchte gerne davor einfach warnen zu glauben, alles was erlaubt ist, da kann uns gar nichts passieren, da können wir darauf hin konsumieren und da wird es keine Probleme geben.
00:23:58: Bestes Beispiel der Alkohol.
00:24:00: Amphetamin ist eine chemische Substanz, die als illegales Straßenprodukt auch Speed genannt wird.
00:24:08: Was weißt du da genau darüber?
00:24:11: Wie viele andere Sachen sind Amphetamin als Neumittel auf dem Markt gekommen?
00:24:16: Nämlich in der USA als Benzertrin wurde als Asthma-Medikament eingesetzt.
00:24:24: Ich habe in Deutschland am Amphetamin auf dem Markt gekommen, was wir heute unter Crystal Meth kennen und hat natürlich auch andere Wirkung als Amphetamin, aber ist auch chemisch sehr verwandt mit Amphetamin.
00:24:38: Und tatsächlich ist eben dann in den neunzehnvierziger Jahren Methamphetamine, also Crystal Meth, für alle möglichen Sachen verschrieben worden als Erkältungsmittel, als Appetitthema, Gegenübelkeit.
00:24:53: Außerdem ist es auch im Zweiten Weltkrieg im Her eingesetzt worden unter das sogenannten Panzerschokolade.
00:25:02: Und die Soldaten haben das einfach genommen, damit sie länger munter bleiben können.
00:25:07: Weil, wenn du Crystal Meth konsumierst, kannst du zum Teil tagelang nicht mehr einschlafen.
00:25:12: Und das war natürlich im Krieg sehr hilfreich.
00:25:15: Und auch die Appetit-Züge-Lung, dass man keinen Hunger mehr verspürt.
00:25:19: Und es ist dann aber in den neunzehnten, sechziger Jahren.
00:25:22: Also das war jetzt das Methamphetamin.
00:25:25: und Amphetamin wird heute tatsächlich auch noch als Neimittel eingesetzt, vor allem zur Behandlung von ADHS, wobei da auch Methylphenidat, also andere Amphetamine eingesetzt werden.
00:25:39: Okay,
00:25:40: falsche Wirkstoffe wie Speed sind besonders riskant, aber warum, Martin?
00:25:46: Wenn ich gerade das Beispiel Amphetamin heranziehen darf und vielleicht da noch ergänzen darf, auch wenn die sehr ähnlich chemisch aufgebaut sind, ist Amphetamin, sprich Speed und Metamphetamin, sprich Crystal Meth, doch zwei verschiedene Substanzen.
00:26:02: Wenn ich da noch kurz darauf eingehen darf, wie es da in Graz und in der Steiermark aussieht, von den Triptox-Untersuchungen Amphetamin immer wieder wird offensichtlich auch leider im Leistungssport verwendet.
00:26:15: während Crystal Meth erfreulicherweise sehr selten in Graz geworden ist.
00:26:20: Und um jetzt noch einmal darauf zurückzukommen, falsche Wirkstoffe.
00:26:25: Es ist für den Chemiker und der Universität ja auch immer sehr wissenschaftlich interessant, und das TRIPTOX ist ein wissenschaftliches Projekt, zu sehen, was kommt da plötzlich für andere Substanzen unerwarteter her.
00:26:38: Bestes Beispiel beim Amphetamin ist ein sehr ähnlich aufgebautes Molekül namens IPEA, das ich ehrlich vorher noch nie in dem Zusammenhang gesehen habe.
00:26:51: Es ist wahrscheinlich auch unwirksam, es ist nur ähnlich.
00:26:54: aufgebaut wird das Amphetamin und es wird, wenn sie so wollen, als Fake-Amphetamin verwendet.
00:27:02: Welche Wirkung hat das dann?
00:27:04: Das ist noch völlig unklar.
00:27:05: Also es kann sein, dass es möglicherweise die Wirkung von Amphetamin selbst ein wenig zu unterstützen vermag.
00:27:14: Andererseits haben wir gerade in den letzten Wochen wieder abgegebene Substanzen untersucht, wo neben diesem Eins-P-E-A, also ausgesprochen, Fenyl ethyl Amin, überhaupt kein Amphetamin verhanden war, sondern nur Koffein, also eine reine Mogelbar.
00:27:32: Und da fragt man sich dann schon, wofür soll das überhaupt gut sein?
00:27:37: Wird Amphetamin in streng geregelten Ausnahmefällen noch in den Apotheken ausgegeben, Alexandra?
00:27:42: Eigentlich muss ich sagen, Amphetamin sehe ich kaum noch in der Apotheke.
00:27:46: Es gibt kein zugelassenes Erzneimittel, es gibt ein Substanz, Amphetamin sulfat.
00:27:52: hatte ich aber auch schon länger eigentlich keine Verordnung mehr.
00:27:56: Ich kenne es mehr daher, dass das eben durch Leistungssport angesprochen.
00:28:01: Ich kenne es eher im Bodybuilding Bereich, dass die Leute das missbräuchlich verwenden zum Aufbutschen und so.
00:28:09: Also eine Verwendung als Erznei- stoff für reines Amphetamin sehe ich nicht.
00:28:14: Es gibt auch verschiedene chemisch abgewandelte Substanzen, die wurden seinerzeit als Appetitzykler eingesetzt.
00:28:21: Die hatten aber die unangenehme Nebenwirkung, dass sie Lungenhochdruck gemacht haben, sind deswegen auch wieder vom Markt gekommen.
00:28:29: Und Medylfenidat hat die Jelena erwähnt, das ist ja auch bei hyperaktiven Kindern wird das eingesetzt, aber das sind dann auch chemische Veränderungen, ist zwar so eine ähnliche Substanzklasse und diese Gruppen haben dann eher ganz eigenes Missbrauchspotenzial, also da könnte man dann glaube ich einen weiteren Podcast damit füllen.
00:28:49: Gut, dann gehen wir weiter zur Substanz MDMA, kennen wir besser unter dem Namen Ecstasy.
00:28:56: Im Vergleich zu anderen Substanzen ist diese noch relativ neu und wird oft zu den Designerdrogen gezählt.
00:29:01: Was heißt Designerdroge und was macht die so besonders, Jelena?
00:29:06: Designerdrogen sind eben neue Substanzen, die extra dafür konstruiert, also die chemische Struktur ist dafür konstruiert worden, dass sie als Droge dient.
00:29:17: Also das ist dann nicht irgendeiner Zufall, das Produkt, wo man draufkommt, ist, ah, das hat eine psychotälische Wirkung oder so, sondern die sind wirklich dafür konzipiert worden, dass sie als Drogen genutzt werden.
00:29:29: Und da gibt es dann natürlich auch was, hat der Herr Professor Schmidt sehr oft in seine Vorlesungen erwähnt.
00:29:35: Unendliche Derivate und Formen von diesen Drogen, das heißt, die sind dann auch nicht alle im Suchtmittelgesetz verankert.
00:29:42: Also kann man gar nicht, weil einfach ständig neue Sachen auf dem Markt sind, die sie leicht unterscheiden von den anderen Substanzen, aber eben deswegen nicht so einfach zum Regeln sind.
00:29:54: Wie entscheidet man dann, ob jetzt etwas legal oder illegal ist, wenn es nicht im Suchtmittelgesetz drin entsteht?
00:30:00: Naja, das ist ganz leicht zu beantworten.
00:30:02: Wenn es nicht im Gesetz drinnen steht, dann ist es legal.
00:30:05: Noch davon hat auch die Szene sehr profitiert.
00:30:09: Diese Szene der sogenannten neuen psychöaktiven Substanzen.
00:30:14: Man kann auch Designerdrohung dazu sagen, gibt es seit den frühen zweitausender Jahren, hat sich immer weiterentwickelt, wie die Jelena schon gesagt hat, völlig richtig.
00:30:23: Einfach, man hat immer eine Substanz ein bisschen umgewandelt in der Struktur, solange bis sie nicht mehr ins Gesetz gefallen ist.
00:30:32: Und dann konnte man sie eigentlich straffrei unter die Leute bringen.
00:30:37: Und die besondere Zahl an diesen neuen psychaktiven Substanzen, jetzt im Jahr Natürlich haben wir die Marke überschritten, das Tausend.
00:30:47: tausend neue psychaktive Substanzen bekannt sind.
00:30:51: Das versteht kein Richter, das versteht niemand, der das irgendwie handhaben soll.
00:30:57: Und ich weiß nur, dass von Gesetzeswegen man halt immer wieder sich in Wien zusammensetzt und diese neuen Substanzen sich anschaut, ob ihres Gefahrenpotentials und eben dann entscheidet, ob man die ins Gesetz aufnehmen soll oder nicht, wie es auch in anderen Ländern geschieht.
00:31:13: Also entscheidet es wirklich jedes europäische Land für sich selbst?
00:31:17: Teilweise ja, teilweise nein.
00:31:19: Es gibt die einzige Konvention aus dem Jahr einundsechzig, die, glaube ich, von fast allen Staaten ratifiziert worden ist, wo eben diese uralt schon bekannten Dinge wie Heroin, Kokain, Amphetamin und so drinnen sind.
00:31:34: Und dann wusste man nicht, wie man weiter machen soll.
00:31:37: im Jahr zehnt, weil eben hunderte Substanzen auf einen quasi eingeprastelt sind.
00:31:44: Und der Gesetzgeber in Österreich hat sich dann entschieden, im Jahr zehnt zwölf, das sogenannte neue psychiaktive Substanzengesetz aus der Taufe zu heben.
00:31:54: Das besagt so ein geringeres Strafausmaß.
00:31:57: Aber der große Vorteil ist, man hat Substanzklassen zusammengefasst.
00:32:03: Beispiel.
00:32:03: Wenn jetzt ein Amphetamin irgendwo eine neue Seitenkette dazubekommt, dann ist das automatisch schon in dem Gesetz drinnen und es bedarf keiner Gesetzesänderung.
00:32:13: Okay, gehen wir zurück zum Ecstasy.
00:32:15: Welche Gefahren bringt Ecstasy mit sich?
00:32:18: Ecstasy gibt es leider in Graz auch relativ häufig.
00:32:22: Die Darreichungsform, wie es pharmazeutisch so schön heißt, ist einerseits eine schillernde, bunte, tolle, lustige Tablette.
00:32:30: Wo man also schon einmal nicht weiß, wie viel Milligramm da eigentlich drinnen sind, hineingepackt sind, weil es ja keine Qualitätssicherung gibt.
00:32:38: Und es gibt auch eine andere Darreichungsform.
00:32:41: Man kriegt nämlich Ecstasy auch als Kristalle, als kristallines Pulver.
00:32:46: Teilweise sogar, es schaut aus wie ein Viehleckstein.
00:32:49: Ganz seltsam, man legt so lange an dem Stein, der aus reinem Ecstasy besteht, bis man eben offensichtlich was spürt.
00:32:56: Und ich weiß von meinen Stutzen, Studentinnen und Studenten, dass man leider derlei auch in verschiedenen Kratzerdiskotheken bekommt.
00:33:05: Also das bekommt man schon sehr leicht.
00:33:07: Die Gefahr, um darauf zurückzukommen, ist, dass man dann eben tanzt und tanzt, aufs Trinken vergisst, auf andere Sachen wie aufs WC vergisst und eben dann bis hin zu einer sehr erhöhten Körpertemperatur.
00:33:25: einfach dann Probleme bekommt.
00:33:27: Aufgrund der Ecstasy-Einnahme, das kann dann bis hin zu einer Dehydrierung gehen und das ist schon ziemlich gefährlich, muss man sagen.
00:33:35: Und ich gehe jetzt davon aus, dass solche Billen, Lecksteine, wie auch immer, statt dieser Substanz MDMA auch gefährliche Stoffe beinhalten können.
00:33:45: Da muss ich eigentlich sagen, nein, also alle kristallinen Formen von diesem MDMA, die ich je zu untersuchen hatte, wiesen eine sehr hohe Konzentration, nämlich neunzig Prozent Plus, tatsächlich an diesem MDMA auf.
00:34:00: und eigentlich auch die Tabletten sind selten verschnitten.
00:34:04: Es gab Fakes in einer obersteirischen Diskothek vor vielen Jahren, wo man Koffein statt MDMA hinein gepackt hat, was natürlich zu großen Unwillen ... der dortigen Konsumenten geführt hat.
00:34:17: Aber sonst muss ich sagen, also keinesfalls Gifte und vielleicht gelegentlich eine neu psychoaktive Substanz, so eine neue, aber eigentlich meistens ist es wirklich MDMA drin.
00:34:29: Welche gefährlichen Suchtmittel gibt es sonst noch, Helena?
00:34:32: Ganz klassisches ist Heroin.
00:34:35: Heroin ist ein Morphine-Derivat und dieses Morphine-Derivat wird schon seit Jahrtausenden verwendet, zum Beispiel im Alten Ägypten wurde das schon konsumiert.
00:34:44: Morphine wird eben aus der Mohnkapsel gewonnen.
00:34:47: Heroin dann als Morphine Derivat, also leichte Strukturveränderung ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist, ist eines der umsatzstärksten Medikamente und wurde aber erst nach Heroin zugelassen.
00:35:18: Also die Firma Bayer hat dann zuerst Heroin auf den Markt gebracht als Hustensaft und erst, ich glaube, ein Jahr später oder so ist Asperin auf dem Markt gekommen und Heroin wurde dann ebenso ungefähr.
00:35:31: Fünfzehn Jahre als Hustensaft eingenommen und benutzt und in der USA ist es nineteen zwölf verboten worden und die Firma Bayer hat es aber erst nineteen dreißig vom Markt genommen.
00:35:44: Warum
00:35:45: eigentlich?
00:35:45: Wenn es so lange Zeit eingenommen worden ist als Hustensaft wird sich das ausgewirkt oder warum hat man dann entschieden, dass das von Markt genommen wird?
00:35:53: Wie ich schon ganz am Anfang erwähnt habe, ist bei Drogen als Neimittel immer ganz ein großer Unterschied die Applikationsform, also wie man es aufnimmt.
00:36:02: Der Hustensaft ist natürlich oral.
00:36:05: Es ist einfach getrunken worden und dadurch hat er eine ganz andere Wirkung aus, wenn du Heroin dir einspritzt in Traveenös.
00:36:12: Das heißt, das ist jetzt nicht so, dass du, wenn du einen Hustensaft trinkst, ein absolutes High kriegst, aber trotzdem ist er abhängig machend und hat ein hohes Suchtpotenzial.
00:36:25: Lustiger daran ist, dass es lang als nichtzüchtig machen, dass Medikament gegen den Zugsymptome von Morphine und Opium eingesetzt worden ist.
00:36:33: Aber dann ist man redierlich darauf gekommen, dass die Leute von dem abhängig werden.
00:36:39: Also die Menschen waren noch hustensaftabhängig?
00:36:41: Ja, kann man so sagen.
00:36:43: Spannend.
00:36:44: Das gibt es bitte.
00:36:45: Da muss ich einhaken.
00:36:47: Gibt es auch heute noch.
00:36:48: Gibt noch immer hustensafte, die auch ähnliche Stoffe drinnen haben.
00:36:54: Und da haben wir auch immer wieder heftige Diskussionen in den Apotheken.
00:36:58: Ich hätte wieder diesen wahnsinnig guten Hustensaft, den würde ich dringend brauchen.
00:37:02: Ich kann ohne den nicht mein Husten so stark, aber das ist wirklich hartnäckig und die fallen auch nur unter erleichterte Suchtgiftbestimmungen.
00:37:11: Und kommen da auch Kunden zu euch, die jetzt eigentlich gar keinen Husten mehr haben und diesen Saft verlangen?
00:37:16: Genau, die verwenden denn dann missbräuchliches Schlafmittel oder was auch immer.
00:37:21: Hör ich auch zum ersten Mal.
00:37:23: Spannend.
00:37:24: Wie verbreitet ist Heroin eigentlich in unserer Landeshauptstadt?
00:37:27: Dazu kann ich sagen, dass Heroin im Prinzip ja, ich würde sagen, ein Evergreen ist.
00:37:32: Das hat sicher schon seit den Sechziger, Siebziger Jahren gegeben.
00:37:36: Wir kennen den Film Christiane F. in Berlin.
00:37:40: In Graz hat sicherlich auch schon eine Szene mit Heroin schon immer gegeben.
00:37:44: Die ist jetzt nicht, Gott sei Dank, überbordend groß, aber Heroin kriegt man in Graz sicher auch.
00:37:50: Beim Heroin habe ich etwas noch hinzuzufügen.
00:37:54: Ich habe da große Sorge, weil Weil die Erzeugung von Heroin dürfte in nächster Zeit merklich zurückgehen.
00:38:02: Heroin wird normalerweise in Anbaugebieten dieses Schlafmohns erzeugt.
00:38:07: Also aus dem Schlafmohn wird zunächst Rohopium gewonnen und das wird durch eine chemische Reaktion dann zu Heroin.
00:38:15: Und das kommt tatsächlich aus Ländern, wo es angeblich zunehmend verboten wird, das überhaupt zu erzeugen.
00:38:22: Jetzt sehen wir einer Heroinknappheit in den nächsten Jahren entgegen.
00:38:27: Eigentlich erwarten wir sie schon seit zwei Jahren.
00:38:30: Sie kommt schleppend.
00:38:31: Und was tun wir jetzt?
00:38:33: Es ist so, dass Fentanyl angeblich in die Fußstapfen von Heroin treten möchte.
00:38:40: Das ist ein sehr starkes Schmerzmittel, auch ein Opioid.
00:38:45: Sozusagen, dass ungefähr dreißig bis vierzigmal stärker wirkt als Heroin selbst.
00:38:52: Und ich habe schon von ersten Messungen in Österreich gehört, wo tatsächlich in Heroin-Proben Fentanyl gefunden wurde.
00:39:01: Das hat auch schon zum einen oder anderen Todesfall geführt und das möchte ich deshalb unbedingt hier zur Sprache bringen.
00:39:10: Ein wichtiges Instrument ist die Substitutionstherapie.
00:39:14: Hierbei werden Ersatzstoffe in den Apotheken ausgegeben.
00:39:17: Was wird hier genau eingesetzt?
00:39:19: Welche Ziele werden hier verfolgt und wie läuft es in den Apotheken genau ab, Alexandra?
00:39:23: Ja, also die Substitutionstherapie oder wie jetzt die eigentlich korrekte Bezeichnung ist, die Therapie mit Opioid-Argonisten dient hauptsächlich dazu, um Schadensminimierung bei Abhängigen zu betreiben.
00:39:40: Das Problem bei der Drogenobhängigkeit sind ja nicht nur die Substanzen, die eingenommen werden, sondern vor allen Dingen auch der Weg, wie sie in den Körper hineinkommen.
00:39:50: Sehr häufig wird gespritzt, das heißt, ich benötige dazu auch Spritzen und Nadeln.
00:39:56: Und eben gerade dieses Spritzen, also der IV-Konsum, der intravenöse Konsum kann dann massive Probleme machen.
00:40:04: Einerseits kann es da zu Spritzenabzesen kommen, es kann zu anderen Entzündungen kommen und es ist, wenn nicht immer sauberes Spritzenmaterial vorhanden ist, hier vor allem Dingen auch die Gefahr, dass die Spritzen getauscht werden.
00:40:20: und dass damit Infektionskrankheiten weiterverbreitet werden.
00:40:25: Besonders bekannt ist die Hepatitis C, aber auch HIV ist ein sicherer Problem.
00:40:31: Deswegen versucht man mit der Substitutionstherapie, die Patienten einerseits von diesem besonders risikoreichen intravenösen Drogenkonsum abzuhalten.
00:40:42: Andererseits versucht man natürlich auch ihnen die Möglichkeit zu geben, die Substanz, die sie ja benötigen, weil sie sind ja körperlich abhängig, also die benötigen das ja wirklich, weil sie sonst massive körperliche Entzugssymptome haben.
00:40:58: Das ist das eine, andererseits sind sie auch psychisch abhängig, das kann man mit dem Substitutionsmittel nicht immer ganz gut abdecken.
00:41:06: Aber zumindest ist die körperliche Abhängigkeit, kann man hier sehr gut unter Kontrolle bringen.
00:41:11: und man muss sich das so vorstellen wie bei Diabetikern, denen fehlt ja ihr Insulin und die spritzen sich das Insulin und die Drogenabhängigen, die bekommen dann eben ihre Ersatzdroge.
00:41:24: Sie sind dann zumindest körperlich versorgt, spritzen dann hoffentlich nicht mehr und müssen sich auch nicht diesem Stress aussetzen.
00:41:31: Wo bekomme ich jetzt mein Drogenmittel her?
00:41:34: Und sehr oft ist das ja auch mit einer hohen Kriminalitätsrate verbunden, weil Drogen sind ja jetzt nicht günstig.
00:41:42: Die Leute sind auch oft nicht mehr in der Lage, irgendeiner Berufstätigkeit nachzugehen und werden dann kriminell und dann kann man auch diesen Schaden hier bei Weiten minimieren.
00:41:52: Ganz wichtiges Thema, was du noch angesprochen
00:41:54: hast.
00:41:54: Hier darf ich vielleicht auch noch ergänzen, dass beim Karre das Kontakt laden.
00:41:59: Also sozusagen als ergänzende Hilfe ein kostenloser Spritzen-Tausch angeboten wird.
00:42:04: Der wird sehr gut angenommen.
00:42:06: Ich spreche die Zahl jetzt nicht aus, wie viele Spritzen da jährlich gewechselt werden werden.
00:42:10: Das glaubt mir sowieso kein Mensch.
00:42:12: Das kann man gerne im Internet nachblättern.
00:42:15: Dazu... Dürfen
00:42:16: wir uns trotzdem wissen?
00:42:17: Ich weiß von knapp einer Million.
00:42:20: Okay.
00:42:21: Also man muss sich das schon so vorstellen, dass dann auch Herrschaften aus, keine Ahnung, aus der Obersteiermark gleich einmal kommen und hundertzwanzig auf einen Rutsch tauschen, die halt nicht so oft nach Graz kommen.
00:42:32: Aber es ist Wahnsinn.
00:42:33: Es ist unfassbar, was sich da tut.
00:42:36: Und Karitas Kontaktladen hilft auch insoferne, dass er nicht nur diesen gratis Spritzentausch ermöglicht, sondern dass er diese konsumierenden, wie es so schön heißt, auch unterstützt, sogar mit Besteck, also mit neuen Löffeln und mit Brennern und ähnlichen.
00:42:52: Das mag jetzt für einen Normalverbraucher seltsam anmutend, dass die sogar quasi noch das Besteck dort gestellt bekommen, gratis.
00:43:02: Aber nach langen Nachdenken kommt man vielleicht wirklich drauf.
00:43:05: Das hilft den Leuten und das wird wieder eine zusätzliche Krankenhausaufenthalte hoffentlich abwehren.
00:43:13: Noch einmal das Thema Substitutionstherapie bzw.
00:43:16: Drogenersatzprogramm.
00:43:18: Wie läuft das genau ab, Alexandra?
00:43:20: Zunächst muss der Patient oder der Konsumierende einmal eine Stelle finden, die ihn einstellt auf seine Ersatzdroge.
00:43:29: Das ist in der Steiermark in den meisten Fällen das Zentrum für Suchtmedizin am LKH Weststandort Süd und es gibt auch zwei.
00:43:40: Es gibt in der Obersteiermarkt noch ein Zentrum und es gibt die interdisziplinäre Kontakt- und Anlaufstelle, weil man muss ja einerseits feststellen, welche der drei Substanzen, die in der Substitution eingesetzt werden, für diesen Patienten jetzt am besten geeignet sind und außerdem auch in welcher Dosierung, dass ein Drogenersatzmittel eingenommen werden soll.
00:44:05: Man muss da ein bisschen abtesten.
00:44:07: Es gibt dann schon Äquivalenz Listen, wenn die Leute so sagen, ich habe zweimal am Tag noch hingespritzt, dann weiß ich, ich kann den jetzt auf diese Menge Morphin umstellen, aber das muss man dann immer noch ein bisschen ausprobieren.
00:44:21: Wenn die Leute dann eingestellt sind, am besten funktioniert das in einem stationären Bereich.
00:44:26: Wie gesagt, dann bekommen Sie eine Substitutionsdauerverschreibung, die können Sie auch bei bestimmten niedergelassenen Hausärzten verlängern lassen und mit der kommen Sie dann in die Apotheke und bekommen da zumindest am Anfang täglich immer Ihr Drogenersatzmedikament ausgehändigt, das Sie bei uns in der Apotheke einnehmen.
00:44:48: Wenn die Leute dann länger verlässlich sind, dann kann der Arzt das auch so verordnen, dass sie nur mehr einmal in der Woche zu uns kommen und nur mehr einmal in der Woche einnehmen und dann für den Rest der Woche mitnehmen, um den Leuten immer Berufstätigkeit und der einigermaßen Normalität zu bieten.
00:45:06: Man muss aber ganz klar sagen, also es handelt sich bei dem Drogenersatzprogramm jetzt nicht um einen Entzug, wie man das meinen sollte.
00:45:14: Das können die Patienten natürlich machen, wenn sie also sagen, möchte von der Droge wegkommen, aber es handelt sich hier also wirklich eher um eine kontrollierte Abhängigkeit, um eine Dauertherapie, die dienen soll, um eben diese ganzen Risiken, die sich vor allen Dingen mit dem intravenösen Konsum ergeben, zu minimieren.
00:45:34: Und das ist jetzt auch für die Patienten nicht ganz einfach.
00:45:38: Erstens muss man meinen Platz finden, um da hineinzukommen und eingestellt zu werden.
00:45:42: Zweitens sind sie doch sehr stark reglementiert, weil sie sich ja auch immer am Neue verschratzen.
00:45:47: kümmern müssen, zu Handkontrollen gehen müssen und auch täglich in der Apotheke erscheinen müssen.
00:45:56: Das ist alles dann auch nicht so einfach, wie man sich denkt, weil manchmal haben wir eben bei Jugendlichen da kommen dann die Eltern mit und die sagen dann auch mein Kind ist jetzt im Entzugsprogramm, also im Substitutionsprogramm.
00:46:09: Und jetzt wird wieder alles gut, also das ist es nicht.
00:46:12: Man deckt hier zwar die körperliche Abhängigkeit ab, vermindert Risiken, aber man muss sich ja überlegen, warum nimmt mein Kind oder warum nimmt der Patient jetzt diese Droge?
00:46:24: Da gibt es ja auch immer noch eine ganz, ganz starke psychische Komponente und die muss dann irgendwie anders behandelt werden.
00:46:31: Wie ist das dann mit Langzeitpatienten?
00:46:33: oder wie lange geht normalerweise dieser Substitutionstherapie?
00:46:36: und gibt es da auch Menschen, die dann gar nichts?
00:46:39: brauchen quasi ein Kassubstitutionsmärk?
00:46:41: Es
00:46:41: gibt also wirklich alles.
00:46:43: Ich arbeite seit über dreißig Jahren, fast immer in der gleichen öffentlichen Apotheke und ich habe einen Patienten, den haben wir seit nineteen vier neunzig im Substitutionsprogramm.
00:46:55: und also ich kenne zwei weitere Patienten auch schon seit über fünfundzwanzig Jahren.
00:47:02: Das sind dann auch die stabilen Patienten, die sind mit ihrem Drogenersatzmittel total gut eingestellt.
00:47:08: Die können damit sechszig, siebzig, achtzig werden und die kommen halt täglich vorbei.
00:47:14: Da muss man sagen, da hat die Apotheke durchaus auch eine spannende soziale Komponente.
00:47:19: Ich kenne da teilweise die Eltern meiner Substitutionspatienten.
00:47:22: Ich kenne die Kinder meiner Substitutionspatienten.
00:47:25: Ich blauere auch täglich mit ihnen.
00:47:27: Also man ist dann auch nicht nur eine Anlaufstelle zum Einnehmen, sondern auch so für das Drumherum.
00:47:34: Es ist ja Substitutionstherapie, man hat da auch die klassischen Opiatnebenwirkungen, das muss man auch dazu sagen.
00:47:39: Die Patienten haben eine ganz starke Verstopfung, das ist extrem unangenehm.
00:47:44: Das muss man dann eben auch diese ganzen Nebensachen, muss man auch noch nebenher behandeln.
00:47:48: Es ist, wie gesagt, der dauerhafte Entzug ist meistens nicht das Ziel, aber das geht natürlich auch.
00:47:55: Das muss man sich dann halt in Kombination mit dem Arzt anschauen, dass die Leute schrittweise reduziert werden und dann wirklich ganz wegkommen.
00:48:04: Das ist aber eher seltener der Fall, muss ich sagen.
00:48:08: Also, wir würden da jetzt in meiner ganzen jahrzehntelangen Karriere vielleicht drei bis fünf Patientinnen einfallen, die wirklich dauerhaft weggekommen sind.
00:48:18: Da muss man sich dann auch überlegen, zum Beispiel wenn die Fertigarzneimittel einnehmen, die gibt es ja nur in bestimmten Dosierungen, kann ja nicht von hundertzwanzig Milligramm auf ihn auf Null gehen, da wird meistens mit Metaton herunterdosiert.
00:48:31: und da haben wir wirklich einen Patienten gehabt, den haben wir von sechzig Milligramm Metaton in ein Milligramm Schritten bis auf Null herunter reduziert.
00:48:42: Das ist natürlich für uns auch ein schöner Erfolg, weil es ja doch ein ziemlicher Aufwand ist, das zu machen.
00:48:47: Und den sehen wir jetzt noch gelegentlich und dem geht es gut.
00:48:50: Aber es ist natürlich immer, man muss die psychische Komponente darf man nicht außer Acht lassen.
00:48:55: Also wenn die Patientinnen dann wieder in eine Krisensituation kommen, wo man jetzt letztens so einen Fall gehabt, da gab es einen Todesfall in der Familie einer ehemaligen Substitutionspatientin.
00:49:05: Und da ist dann natürlich der erste Reflex, mir geht es jetzt so schlecht, was mache ich?
00:49:10: Und dann findet man natürlich wieder irgendwas und dann ist man sehr schnell wieder abhängig.
00:49:16: Jetzt haben wir über einige Substanzen was erfaden, wenn es zu einer Überdosis kommt.
00:49:21: Was kann man machen auf die Schnelle?
00:49:23: Im Prinzip gibt es da eine sehr einfache Möglichkeit.
00:49:26: Ich habe darauf hingewiesen, dass möglicherweise uns das Heroin ersetzt wird durch Fentanyl.
00:49:31: Das ist viel stärker.
00:49:33: Das kann zu einer momentanen Atemlehmung führen.
00:49:36: Und dafür gibt es einen Spree, den man in der Apotheke kaufen kann.
00:49:40: Der nennt sich Nalloxon.
00:49:41: Also der Wirkstoff ist Nalloxon in diesem Spree.
00:49:44: Das wird auch schon in Amerika in der Szene sehr häufig verwendet.
00:49:48: Und da kam man wirklich innerhalb von Sekunden.
00:49:51: jemanden, wenn sie so wollen, wirklich wieder beleben, indem man dem das einsprüht in die Nase und plötzlich wachte er wieder auf und ist wieder unter den Lebenden.
00:50:01: Das verwendet inzwischen sogar die Exekutive auch bei Aufgriffen von Suchtmitteln, weil da halt auch in Zukunft die Gefahr bestehen wird, dass man vielleicht ein Fentanyl entdeckt und durch irgendeine umsachgemäße Entgegennahme quasi sich eine Gefahr gibt.
00:50:17: Problem bei Opioiden ist die Atemdepression.
00:50:20: D.h.
00:50:21: die Atmung wird sehr langsam und schwach und deswegen ist da die Lebensgefahr so hoch.
00:50:27: Da muss ich jetzt auch noch was dazu sagen.
00:50:30: Man darf das nicht unterschätzen, wie gefährlich Drogen sein können für Leute, die noch nie Drogen eingenommen haben, weil es entsteht da eine ganz hohe Toleranz, wenn ich opiate Morphine, was auch immer einnehme, mein Körper gewöhnt sich daran.
00:50:47: In der Schmerztherapie wird zum Beispiel Morphine eingesetzt in Dosierungen von zehn bis zwanzig Milligramm.
00:50:54: Der durchschnittliche Substitution Patienten nimmt die gleiche Substanz im Bereich, vierhundert bis sechshundert Milligramm ein, geht dann aber noch aufrecht hinaus.
00:51:05: Man muss sich das vorstellen, es ist zwanzigmal mehr als die normale Schmerzdosis und kann sogar noch mit dem Auto fahren.
00:51:12: Ich kenne also einen Patienten, der nimmt tausend dreihundertzwanzig Milligramm morphintäglich eine Substitutionsmedikament.
00:51:21: Und wenn das jetzt ich, du oder irgendjemand anders schluckt, der noch nie eine Erfahrung mit dem Heroin gehabt hat, der hat sofort einem Atemstil stand.
00:51:31: Deswegen ist es auch wirklich sehr gefährlich, wenn man da in Kreise hineinkommt und da wird fröhlich etwas konsumiert.
00:51:39: Wenn ich noch nie etwas eingenommen habe, dann ganz, ganz vorsichtig sein.
00:51:44: Wir hatten hier einmal einen Fall in unserer Apotheke.
00:51:47: Für Sonntag werden die Substitutionsmittel ja immer mitgegeben, weil die Apotheken da ja nicht geöffnet sind.
00:51:53: Und da hat einmal einer unserer Kunden etwas von seiner Droge jemanden abgegeben, der noch nie etwas konsumiert hat.
00:52:01: Und das Mädchen ist dann wirklich ins Koma gefallen aufgrund einer Art und Depression.
00:52:05: Und deswegen ist es eben wichtig, dass man weiß, es gibt hier ein Hilfsmittel.
00:52:10: Man muss nur möglichst schnell die Rettung rufen.
00:52:12: Und man muss immer sagen, was Sache ist.
00:52:16: Abschließend werden uns einige Menschen zuhören, die sich vielleicht Gedanken darüber machen, was, wenn ein Mensch der mir wichtig ist.
00:52:24: Vielleicht mein Kind in so eine Abhängigkeit rutscht.
00:52:27: Wird eurer Meinung nach genug getan in Sachen Prävention, Aufklärung, was das Thema Suchtmittel betrifft?
00:52:34: Ich meine, in der Hinsicht nein, leider nicht.
00:52:38: Ich durfte auch schon in Schulen Drogenvorträge halten.
00:52:42: Da war immer das große Thema, ja, wie alt sollen denn die zuhörenden sein?
00:52:47: Die einen Eltern haben gemeint, ja, ich will überhaupt nicht, dass meine Kinder mit so etwas konfrontiert werden, weil dann bleiben sie... Es gab Lehrer, die sagen, na ja, in der achten Klasse frühestens, weil sonst versteht man das neurobiologisch nicht, was also auch sehr seltsam war.
00:53:04: Man könnte hier sicher mehr tun von meiner Seite her.
00:53:07: Also ich muss auch ganz ehrlich sagen, ich denke schon, dass man hier zumindest im Bereich bei den ab zwölfjährigen einsetzen sollte, weil ich immer wieder von Kindern, von Freunden höre, dass die dann schon im Stadtpark angesprochen werden und etwas angeboten bekommen.
00:53:24: Es ist auch so, dass wir mittlerweile Wirklich sehr, sehr viele psychiatrische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen sehen.
00:53:32: Es hat sich vor allen Dingen seit Corona hat sich das sehr verstärkt.
00:53:36: Und da ist einfach die Chance, dass die dann versuchen, sich selbst und der Anführungszeichen mit etwas Illegalen so ein bisschen zu therapieren oder sich einen Kick zu verschaffen.
00:53:48: Doch sehr groß.
00:53:49: Und ich finde, die müssen einfach Bescheid wissen, was gibt es hier für Risiken?
00:53:54: Was kann mir passieren?
00:53:56: und vor allen Dingen, wie furchtbar ist, dass wenn ich dauerhaft abhängig bin.
00:54:00: Ich darf mit der Frau Magister Mandel anschließen, vor allem, wenn es um die mentale Gesundheit von Jugendlicher geht.
00:54:07: Und ich glaube, es gibt, das macht einen riesigen Unterschied, ob das jetzt eine Person ist, die jetzt denkt, okay, es ist ein einmal lustiges Erlebnis und sie probiert mal.
00:54:18: MDMA-Tabletten oder was auch immer.
00:54:20: Aber wenn man generell schon ein bisschen psychisch instabil ist, dann haben diese Drogen einen ganz anderen Effekt.
00:54:26: und dann kann das so schnell gehen, dass man da abschlittert und wirklich in einer... Suchtverhalten reinkommt und da gar nicht mehr davon loskommt und auch dann halt seinen täglichen Alltag nicht mehr meistert, dann nicht mehr studieren gehen kann, nicht mehr arbeiten gehen kann und überhaupt kein Alltagsleben oder irgendeine Routine mehr hat, weil man auch einfach in den Suchtverhalten so gefangen ist.
00:54:49: Und da ist, glaube ich, vor allem die mentale Gesundheit bei Jugendlichen sehr ausschlaggebend dafür.
00:54:54: Ganz kurzes Beispiel.
00:54:55: Meine Tochter war zwölf Jahre alt, als sie das erste Mal angesprochen worden ist.
00:55:00: Stadtgebiet, ob sie den Marihuana kaufen möchte.
00:55:03: Glücklicherweise hat sie es nicht interessiert.
00:55:05: Okay, gut aufgeklärt, die Tochter.
00:55:08: Ja, damit sind wir am Ende unserer Podcastfolge angekommen.
00:55:11: Liebe Zuhörer, ihr seht, wie vielfältig das Thema Suchtmittel ist von medizinisch eingesetzten Substanzen über illegale Drogen bis hin zu neuen, oft unberechenbaren Stoffen am Schwarzmarkt.
00:55:22: Wissen, Aufklärung, Drug-Checking, Beratung und pharmazeutische Begleitung sind immens wichtig, um Risiken zu erkennen und Schäden zu vermeiden.
00:55:31: Alexandra, Jelena und Martin, danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt.
00:55:35: Wir sagen danke, dass wir dieses wichtige Thema in den Podcast bringen durften.
00:55:39: Ein herzliches Dankeschön auch von meiner Seite.
00:55:42: Dankeschön.
00:55:42: Bei Fragen zu Arzneimitteln, zu Risiken von Substanzen oder zu Unterstützungsangeboten, der Apotheke vor Ort ist eine erste niederschwellige Anlaufstelle.
00:55:52: Und ich darf auch noch darauf hinweisen, dass es in der Steiermark wichtige Beratungsstellen und Suchthilfen gibt, wie die Drohngeratung des Landes Steiermark, dann schon gehört das Zentrum für Suchtmedizin am LKH Graz II, die Steirische Gesellschaft für Suchtfragen, die Suchtberatung Obersteiermark, dann auch schon gehört den Kontaktladen und Streetwork im Bereich in Graz.
00:56:13: Wie wird die Fachstelle für Suchtprävention, die Suchthilfe der Kare der Steiermark oder die Suchtberatung vom Hilfswerk Steiermark?
00:56:21: Man möge mir bitte verzeihen, falls ich eine Stelle vergessen habe, aufzuzählen.
00:56:25: Danke fürs Zuhören, bleibt
00:56:31: gesund.
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